Voller Vorfreude begann für insgesamt 20 Simmentalzüchter am 08.05.2026 die diesjährige Züchterfahrt mit dem Bus des Reiseunternehmens Scheuenstuhl in Richtung Schweiz (Titelfoto: Das Simmental)

Gegen Mittag gab es in Baden-Württemberg den ersten Betriebsbesuch bei der Familie Stefanie und Andreas Schuler mit ihren 4 Kindern. Der Talbachhof liegt in St. Märgen im schönen Schwarzwald auf einer Höhe von rund 950 m. Der Betrieb wird von der jungen Familie und Andreas Schulers Eltern konventionell bewirtschaftet, bei dem die Landwirtschaft und eine Ferienwohnung im Nebenerwerb und der Agrarhandel im Haupterwerb geführt werden.

Im reinen Grünlandbetrieb wird neben der Herdbuchzucht von Rindern der Rasse Fleckvieh-Simmental durch Andreas,  auch eine Herdbuchzucht von Buren-Fleischziegen durch Stefanie betrieben.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche von 16 ha setzt sich aus Eigen-, Pacht- und Kooperationsfläche mit einem benachbarten Betrieb zusammen. Schulers halten insgesamt rund 15 Rinder mit  6 Kühen sowie Nachzucht, Färsen und Jungbullen. In den vorangegangenen Jahren war auch ein Zuchtbulle im Bestand, auf den sie aktuell bewusst verzichten und nur noch künstlich besamen.

Der Buren-Fleischziegenbestand umfasst 15 Mutterziegen mit Nachzucht, Jungböcken und Jungziegen.

Hier ist eine Familie, die mit Herzblut züchtet und dabei ihr Hauptaugenmerk auf Funktionalität, Robustheit und eine optimale Anpassung an die Höhenlage richtet.

Ein großes Dankeschön an Familie Schuler

Der zweite Reisetag begrüßte die Teilnehmer mit herrlichem Sonnenschein. Für diesen Tag war der Besuch von drei schweizer Simmentalbetrieben geplant.

In den 1970er Jahren gab es in der Schweiz 50 Gründungsmitglieder Mutterkuhhaltung. Sie begannen zuerst mit Angus durch Verdrängungskreuzung, dann kamen langsam Limousin und Simmental durch Doppelnutzung dazu. 2001 wurde dann der Rasseverband Simmental Schweiz gegründet.

Als erstes ging es mit dem Bus auf das Gelände der JVA Witzwil in Gampelen. Ueli Röthlingsberger, der u.a. für die Simmentalzucht verantwortlich ist, begrüßte die deutschen Gäste zusammen mit bekannten schweizer Züchtern und Verbandsmitgliedern wie Mathias Gerber, 1. Präsident von Mutterkuh Schweiz, Florian Wenger, aktueller Vorsitzender des schweizer Simmentalverbandes Fleisch, Jacob Fritz und Rea Tobler mit ihrer Tochter.

Die Schweiz will ihre Straftäter nicht nur einsperren, sondern durch selbständige Arbeit in der Landwirtschaft auf ihr späteres Leben vorbereiten. Dazu betreibt sie mehrere staatliche Güter.

Die JVA Witzwil stellt heute als Gut und Strafanstalt für Männer mit insgesamt ca. 800 ha Gesamtfläche, einschließlich Alp, den größten Landwirtschaftsbetrieb der Schweiz dar. Sie ist ebenfalls der älteste Betrieb mit Simmental-Mutterkuhhaltung in der Schweiz. In den 1970er Jahren starteten sie mit Simmental-Milchvieh und gehörnten Rindern. Jetzt arbeiten sie mit hornlosen ca. 60 Mutterkühen, deren Nachzucht und 2 Bullen. Knapp 4 Monate erfolgt Winterfütterung mit Fahrsilo. Anfang März wird mit dem Weidegang begonnen. Die Wiesen werden kaum gemäht, sondern fast nur beweidet. Aufgrund der Alpwirtschaften setzen sie auf mittelrahmige Tiere und neben bekannten Bullen aus der Fleischnutzung, auch aus Deutschland, ebenfalls auf Simmental-Doppelnutzungsbullen.

Durch Entscheidungen der Politik des Landes mussten sie in den letzten Jahren leider sehr gute Flächen ans Land zurückgeben.

Erfahrungsaustausch zwischen Uwe Harstel, Mathias Gerber und Florian Wenger

Begrüßung in JVA Witzwil

Oben: Kuhherde Beat Dietrich; Unten: Beat Dietrich erklärt seine Herde

Nach einem kleinen Imbiss ging es mit dem Bus weiter nach Gals zum Betrieb von Beat und Nadia Dietrich.

Ihr Hauptgeschäft ist auf 40 ha der Anbau von Gemüse wie Kartoffeln, Karotten und Gurken.

Die restlichen 30 ha sind Weideflächen, die Beat zusammen mit einem Berufskollegen, der ausschließlich Mast mit Kreuzungen macht, bewirtschaftet.

Seine Simmental-Mutterkuhherde umfasst 27 Herdbuchkühe mit Nachzucht. Ziel ist der Zuchtviehverkauf und Verkauf von Fleisch über Natura-Beef.

Beat setzt neben schweizer Genetik auch deutsche Bullen wie z. B. Hulk Hogan und Steinadler ein. Da seine Tiere im Sommer auf die Alp gehen, ist die Milch der Mütter für die Aufzucht ihrer Kälber dort besonders wichtig. Sein Zuchtziel sind milchbetonte, mittelrahmige Tiere mit viel Fleisch.

Im Anschluss luden Beat und Nadia die gesamte Besuchergruppe zum Mittagessen zu sich nach Hause ein. Neben leckerer Wurst und kühlen Getränken, gab es Fleisch vom Grill.

Gestärkt und mit Vorfreude ging es mit dem Bus ins wunderschöne Simmental nach Diemtigen auf den Bio-Simmentalzucht-Betrieb von Peter und Sabine Küng. Sie bewirtschaften in 5. Generation den Hof und verkaufen über Direktvermarktung das Fleisch ihrer Rinder als Natura-Beef.

Der Betrieb umfasst ca. 50 ha auf der Alp und 20 ha unten am Stall. Gefüttert wird nach Biorichtlinie mit Gras, Heu und Grassilage. Stroh für den Winter muss zugekauft werden.

Peter Küng hält aktuell 20 Mutterkühe mit Nachzucht und den Zuchtbullen Heim.

Die Tiere kalben am Hof das ganze Jahr über ab. Erst danach gehen die Kühe mit ihren Kälbern auf die Alp. Das hat sich aus Vorsicht wegen Tourismus und Wolf bewährt. Die größte Hilfe  hat Peter durch seine Frau Sabine und ab und zu helfen die Kinder mit.

Zum Abschluss gab es leckere Häppchen und als Highlight Simmentaler Bier. Der Hof im idyllischen Simmental war ein wunderbarer Ausklang dieses interessanten Tages.

Ein herzliches Dankeschön an Peter und Sabine Küng

Herdenbulle im Betrieb Küng

Am Sonntag, 10.05.2026, war der Besuch der sehr hoch gelegenen Höfe von Familie Fritz in Le Cerneux-Veusil und von Mathias Gerber in Mont-Tramelan geplant.

Herde von Jean-Jacques Fritz

Jean-Jacques Fritz, der den Betrieb zusammen mit seinem Vater Jakob führt, begrüßte als erster die deutschen Züchter und stellte seinen Betrieb vor.

Dieser liegt im Kanton Jura auf 1000 m Höhe. Er besitzt etwa 40 Mutterkühe der Rasse Simmental mit Nachzucht und 7 Stiere. Dabei setzt er auf deutsche, englische und australische Genetik. Obwohl sein Zuchtziel genetisch hornlose Tiere sind, setzt er auch gehörnte Stiere ein. Die Kälber werden fast alle selbst aufgezogen, wobei die weiblichen Absetzer zur eigenen Nachzucht und die männlichen zum Verkauf zur Zucht vorgesehen sind. Der Betrieb ist zweitwichtigster Stierverkäufer zur Zucht in der Schweiz.

Da in dieser Höhenlage über einen langen Zeitraum sehr kalte Witterungsbedingungen herrschen, können die Tiere erst spät auf die Weide. Im Stall bekommen sie Grassilage und Heu. Nur den Jungtieren füttern sie Mais- und Gerstenflocken zu. Nach der Besichtigung des Stalles und der Tiere auf der Weide, gab es ein leckeres Mittagessen bei Familie Fritz zu Hause. Hier begrüßte die Züchter neben Jakob auch seine Frau Sabine.

Im Anschluss ging es für alle zum nicht weit entfernten Betrieb von Mathias Gerber nach Mont-Tramelan. Dieser liegt auf einer Höhe von 1060 m und umfasst 28 ha Weide- und Mähfläche.

Der Hof wird in 5. Generation bewirtschaftet und Mathias betreibt seit 1997 hier Mutterkuhhaltung. Seine ersten 15 Tiere hat er von der JVA Witzwil aus Doppelnutzung gekauft. Von einer dieser Kühe ist die Linie bei ihm noch vorhanden. Seit 2019 ist es ein Biobetrieb.

Mathias lässt die Kühe überwiegend künstlich besamen. Im Sommer sind die Tiere auf Dauerweide und im Winter erhalten sie Heu und Silage. Nach dem absetzen werden die Jungtiere noch mit Mais zugefüttert. Die Bullen erreichen im Schnitt 1500 bis 1600 g Tageszunahme. Da im eigenen Stall nicht genug Platz ist, werden die Jungrinder mit auf dem Nachbarbiobetrieb gehalten. Er und sein Nachbar nutzen auch gemeinsam Deckbullen wie den von Florian Wenger gezüchteten Karamba PP.

Im Anschluss an die Betriebsbesichtigung, auch vom Nachbarbetrieb, fuhr Mathias mit den Gästen in den Ort Bellelay. Hier ist er selbst auf einem Hof aufgewachsen, den jetzt sein Bruder als Bio-Milchviehbetrieb führt. Bellelay besitzt eine ehemalige Stiftskirche im Kloster Bellelay, die besichtigt wurde und ist berühmt für den, nur dort produzierten Käse Tete de Moine (Mönchskopf), dessen Ursprünge im 12. Jahrhundert im Kloster Bellelay liegen. Beim Käse macht man mit Hilfe eines patentierten Schabers, der Girolle, die markanten Käserosetten.

Den Tag ließen alle am Hof von Mathias Gerbers Bruder Markus ausklingen. Dieser hat 55 – 60 Milchkühe der Rasse Holstein, die die Milch für den Tete de Moine produzieren.

In einem hübschen Raum über dem Kuhstall gab es das berühmte schweizer Käsefondue.

Die Gäste dankten den Schweizer Züchtern für ihre gute Organisation und ganz besondere Gastfreundschaft und verabschiedeten sich im Anschluss von Ihnen, denn am nächsten Tag ging es mit einem Zwischenstopp in Oberaesch im Kanton Basel-Landschaft schon wieder auf Heimreise.

Mathias Gerber erzählt über die Geschichte des Käses Tete de Moine

Stiftskirche im Kloster Bellelay

Der Hof Oberaesch von Familie Birrer liegt sehr steil oberhalb des Hauptortes Duggingen. Hier bewirtschaften Patrik und Daniela Birrer mit Hilfe ihrer beiden Töchter einen Bio-Betrieb in 440 m Höhe.

Neben der Stimmental-Mutterkuhherde, betreiben sie Pensionspferdehaltung, haben sozial benachteiligte Jugendliche in Betreuung und bewirtschaften neben Weide- und Ackerland auch eine Wahlnussplantage. Der Betrieb umfasst 61 ha Fläche, die die Familie Birrer von der Stadt Basel mit Vorkaufsrecht pachtet.

1994 begann Patrik Birrer mit der Simmentalzucht und übernahmen 2014 diesen Hof , auf dem er, wegen der gewünschten Mittelrahmigkeit, viel kanadische Genetik, z. B. die Bullen Evolution, Rogant, Worldwide, Timothy, einsetzte. Auch deutsche Genetik ist zum Teil über Kanada wieder in seinen Bestand gelangt.  Alte Abstammungen sind hier Steinadler, Gorm, Pikant und Hoeness.

Auch in seinem Betrieb wird wegen der Weide- und Almzeiten auf hornlose, milchbezogene, mittelrahmige Kühe mit Fleisch gesetzt. Nur reinerbig hornlose Bullen werden zur Zucht verkauft. Zur Zeit stehen 20 – 35 Kühe mit Nachzucht auf dem Betrieb. Er hatte durch Blauzungenkrankheit starke Verluste, was erst langsam wieder aufgebaut wird.

Nach einem köstlichen Mittagessen und Kaffee und Kuchen verabschiedeten sich die deutschen Simmentalzüchter von der Familie Birrer und bedankten sich für deren Gastfreundschaft. Dann ging es mit dem Bus auf Heimreise. Jeder ließ das Erlebte für sich noch einmal Revue passieren.

Verabschiedung Patrik und Daniela Birrer

Vielen Dank Familie Schuler aus Baden-Württemberg, allen schweizer Züchtern mit ihren Familien und Verantwortlichen für die tolle Organisation und herzliche Gastfreundschaft.

Ein besonderes Dankeschön geht auch an das Busunternehmen Scheuenstuhl für eine sehr gut organisierte Reise mit stressbewährten Busfahrern. Es war rundum eine gelungene Züchterfahrt mit ganz besonderen Erlebnissen und Erfahrungsaustauschen.